Ehre, denen Ehre gebührt: Den Moien!

Der Moienmarkt selbst ist abgeleitet von dem Wort „Moie“, welches ein Mädchen bzw. eine Magd beschreibt, da Bauern diesen Markt nutzten, um Mägde und Knechte für die bevorstehende Ernte anzuwerben.
Seit über 30 Jahren folgen wir Schliebener nun der Tradition, zum Moienmarkt unsere Moie zu wählen, die früher für ein Jahr, seit 2016 für 2 Jahre lang Schlieben und Umgebung repräsentieren darf. 

In einer Wahl, welche regelmäßig von einem anderen Verein des Amtsbereiches Schlieben ausgestaltet wird, muss sich die zukünftige Moie in Aufgaben aus dem Haushalt aber auch aus fachlichen Bereichen profilieren. Die Moienwahl ist somit ein absolutes Highlight des Moienmarktes.

Schliebener Moie 2024 ist Franziska Böhme

(Foto: Stephanie Foller)

Moie werden - Moie sein: Ein Gespräch über die Moienwahl

Moie sein – das ist mehr als ein Titel - das sind Begegnungen und Erlebnisse. Als Moie vertritt man Schlieben und die Region für zwei Jahre. Wir haben mit der aktuellen Moie und einer Vertreterin des Schliebener Moienmarkt- und Kulturvereins gesprochen, was dieses Amt so interessant und lohnenswert macht:

Frage: Wer seid ihr und warum ist die Moie wichtig für die Region?
Moie Franzi: Ich bin Franzi, die aktuelle Moie, und habe mich vor zwei Jahren entschieden, bei der Wahl mitzumachen – und dann auch gewonnen. Am Anfang war das für mich ziemlich aufregend. Heute bin ich froh, dass ich den Schritt gegangen bin. Ich durfte viele Menschen kennenlernen und ganz besondere Momente erleben.
Angela Unger: Ich bin Angela, zum einen stellvertretende Bürgermeisterin von Schlieben, zum anderen im Schliebener Moienmarkt- und Kulturverein aktiv. Mir ist wichtig, dass die Tradition in moderner Weise fortgeführt wird. Die Moienwahl gehört schon immer zu unserem Moienmarkt und ist nicht zuletzt Namensgeberin für das älteste Fest in unserer Region. Natürlich, Zeiten ändern sich, so treffen sich jetzt Tradition und Moderne, nicht nur bei der Wahl, sondern auch bei den Veranstaltungen, die die Moie besucht.

Frage: Was passiert bei der Moienwahl eigentlich?
Angela: Die Moienwahl ist alle zwei Jahre ein fester Bestandteil unseres Moienmarkt-Samstags. Wer teilnimmt, stellt sich verschiedenen Aufgaben und präsentiert sich vor dem Publikum. Das ist keine Prüfung, sondern eher eine Gelegenheit zu zeigen, wer man ist. Natürlich sind die Mädchen aufgeregt – aber das gehört dazu. Die Kandidatin, die am besten abschneidet, wird dann Moie für die kommenden zwei Jahre. Ausrichter der Moienwahl ist ein Verein des Schliebener Landes. Dementsprechend gestaltet sich ein Großteil der Aufgaben – mit Bezug zum Haushalt, zur Heimat, zum ausrichtenden Verein. Das Ganze gern mit Augenzwinkern, Spaß und Überraschungen. Aufgaben unter Einbeziehung des Publikums sind immer besonders lustig. Aber keine Angst, jede Interessentin kann die Aufgaben lösen.
Moie Franzi: Ich würde sagen: Es ist ein bisschen Wettbewerb, ein bisschen Bühne und ganz viel Spaß. Keine Challenges, bei denen man vorgeführt wird, und nichts Peinliches. Man muss nicht perfekt sein – wichtig ist, dass man offen ist und Lust hat, das Ehrenamt dann auch auszuüben.
Angela: Und es gibt für alle Teilnehmerinnen Preise. Keine geht leer aus. Das ist mitunter ein recht attraktiver Stundenlohn.

Frage: Wer kann mitmachen?
Angela: Mitmachen können Mädchen und junge Frauen zwischen 16 und 35 Jahren, die im Amt Schlieben wohnen, aus dem Amtsbereich stammen oder in Schlieben zur Schule gegangen sind. Vorkenntnisse sind nicht nötig — alle sind willkommen. Auch wenn jemand älter als 35 sein sollte, werden wir diejenige 
nicht ablehnen.
Moie Franzi: Ich glaube, viele denken zuerst: "Dafür bin ich doch nicht emacht." Aber oft stimmt das gar nicht. Wenn man Lust hat, sich für die Region einzubringen und den eigenen Horizont zu erweitern, sollte man sich unbedingt trauen.

Frage: Warum sollte jemand überhaupt mitmachen?
Moie Franzi: Weil man unglaublich viel mitnimmt. Ich habe durch die Moienzeit mehr Feste besucht, die ich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. Außerdem habe ich viele Menschen, andere "Hoheiten" und deren Regionen näher kennengelernt. Das bleibt auf jeden Fall hängen!
Angela: Und genau das ist uns wichtig: Die Moienwahl ist ja nur der Start für das zweijährige Engagement. Neben der Repräsentation unserer Region hat die amtierende Moie viele tolle Erlebnisse. Franzi sagte es ja schon. Man lernt neue Leute kennen, knüpft neue Freundschaften, lernt andere Regionen kennen, sammelt jede Menge Erfahrungen und entwickelt sich selbst weiter. Nicht selten berichten uns die Moien, dass sie während ihrer Amtszeit viel selbstbewusster und offener geworden sind und viel gelernt haben. Alle wollen ihre Amtszeit jedenfalls nicht mehr missen. Und für uns als Verein ist die Zusammenarbeit mit den Moien immer eine Bereicherung, denn ihre Perspektive ist auch für unsere Kultur und Veranstaltungen wichtig. Wir verjüngen uns ja damit auch.

Frage: Wie viel Zeit sollte man pro Monat als Moie mitbringen und muss man bei jeder Veranstaltung dabei sein?
Angela: Das kann wohl Franzi am besten beantworten. Einladungen kommen aus unterschiedlichen Richtungen, über die Stadt, über den Verein, aber auch sehr viel an die Moie selbst. Sie selbst entscheidet, welche Veranstaltungen sie besucht bzw. besuchen kann. Man darf ja nicht vergessen, die Mädels gehen noch zur Schule, studieren oder befinden sich bereits im Berufsleben. Natürlich gibt es auch ein paar Termine, wo wir natürlich sehr gern die Moie dabeihätten – Pfingstsingen, Oktoberfest, Weihnachtsmarkt und natürlich beim Moienmarkt! Aber das ist auch gar nicht so einfach, manchmal überschneiden sich auch Termine. Wie gesagt, die Moie entscheidet.
Sollte die Moie auswärts Termine wahrnehmen, so sponsert das Autohaus Lewy, Standort Herzberg, ein Auto. Demnächst gestalten wir noch zwei Magnetschilder für die Autotüren nach unserem Motto "Moie on Tour". Die Moie wird automatisch sachkundige Einwohnerin im Kulturausschuss der Stadt und genießt so Versicherungsschutz bei allen ihren Veranstaltungen.
Moie Franzi: Einmal im Monat trifft sich der Verein zur Planung der nächsten Feste etc. Termine außerhalb variieren auch danach, wie sehr man sich selbst engagieren kann. Feste Termine sind zum Beispiel Pfingstsingen am Spring im Frühjahr und die Weinlese im Spätsommer. Auch im Schichtdienst oder wenn man unter der Woche nicht mehr im Amtsbereich wohnt, ist es möglich Termine wahrzunehmen. Man kann aber auch mal Nein sagen.

Frage: Was war für dich bisher der schönste Moment als Moie?
Moie Franzi: Zu merken, wie man selbst über sich hinauswächst. Wie Auftritte sicherer werden. Aber natürlich auch die Menschen, die man trifft und wenn daraus sogar neue Freundschaften entstehen.

Frage: Nun ist jemand noch unentschlossen – was ist eure Empfehlung?
Moie Franzi: Ich würde sagen: Trau dich einfach! Man muss nicht alles perfekt können oder schon genau wissen, was einen erwartet. Man wächst in die Aufgabe hinein, sammelt neue Erfahrungen und nimmt ganz viel mit. Und meistens ist man hinterher froh, dass man den Schritt gemacht hat.
Angela: Genau. Wir wünschen uns junge Menschen, die neugierig sind und Lust haben, unsere Region mitzugestalten. Wer noch unsicher ist, sollte sich nicht abschrecken lassen – das Moien-Ehrenamt ist eine tolle Chance, etwas Neues auszuprobieren. Ich zitiere da gern eine ehemalige Moie: "Macht einfach mit bei der Moienwahl. Es ist ein Riesenerlebnis und macht Spaß. Man kann dabei nur gewinnen, man sammelt jede Menge Erfahrungen und man lernt eine Vielzahl von Leuten kennen. Das Leben ist viel zu kurz, um einfach was sausen zu lassen oder zu versäumen."

Du willst auch einmal Schliebener Moie sein?

Dann bewirb dich jetzt, wenn du

  • zwischen 16 und 35 Jahre alt bist,
  • im Schliebener Amtsbereich wohnst,
  • aus dem Schliebener Amtsbereich stammst
  • oder in Schlieben zur Schule gegangen bist.

Bei Fragen hierzu kannst du uns gern kontaktieren
Auch kannst du dich an die Touristinformation im Drandorfhof unter kultur@amt-schlieben.de bzw. +49 (0) 3 53 61 / 8 16 99 wenden.

© Schliebener Moienmarkt- und Kulturverein e. V.